Nun ist sie um, die erste Staffel von True Blood. Erst heiß ersehnt und dann im Laufe der Woche mit einer gewissen Ernüchterung geguckt. Nach der ersten Folge True Blood schrieb ich noch (voreilig), dass sich bis auf die Figur Tara die Handlung der Serie ziemlich an die Vorlage halten würde.
Im Verlaufe der Serie kamen jedoch viele neue, von den Drehbuchautoren erfundene Handlungsstränge hinzu, oder Geschehnisse und Charaktere aus den Büchern werden einfach abgewandelt, worüber ich mich nicht selten geärgert habe.
Das Erfinden von neuen Handlungssträngen ist möglicherweise verständlich, da die Romane in Ich-Form aus Sookies Sicht erzählt werden, was die 1:1-Umsetzung in eine TV-Serie etwas einschränken würde. Taras neue Geschichte und das ganze Voodoo-Theater gefielen mir sogar ganz gut.
Leider schienen die Macher jedoch einen Narren an Jason gefressen zu haben, so dass wir ihn in jeder Folge im Übermaß präsentiert bekamen. Irgendjemand kam dann auch noch auf die glorreiche Idee, Jason von Vampirbult abhängig zu machen, so dass er zusammen mit seiner Psychonfreundin nebenbei noch einen Vampir entführte, den er zwischendurch immer wieder anzapfte.
Viel ärgerlicher war aber, dass nicht Eric, sondern Bill Long Shadow pfählte. Nicht nur, dass damit eine interessante Entwicklung in der Beziehung zwischen Eric und Sookie wegfällt, haben sich die Drehbuchautoren einen dämlichen Vampirmagistrator einfallen lassen, der klischeehaft böse war und Bill betrafte. Nach dieser Folge war ich kurz dafür, überhaupt nicht mehr zu gucken.
Allein schon diese Gerichtsverhandlung machte deutlich, dass die Vampire in True Blood anders als in den Büchern dargestellt werden. In Charlaine Harris’ Romanen sind die Blutsauger sicherlich keine verweichlichten Waisenknaben, aber der Großteil versucht zu mindest, friedlich mit den Menschen zusammenzuleben. Das Beißen eines Menschen ohne dessen Zustimmung oder gar das Verwandeln in einen Vampir ist unter strengste Strafe gestellt. In True Blood wird nur die dunkle Seite der Vampire gezeigt. Da wundert es auch nicht, dass Bubba nicht in der Serie auftaucht. Elvis als Vampir, der bei der Verwandlung ein paar Gehirnzellen einbüßte und auf Katzenblut steht, passt einfach nicht in das Konzept. Also mache ich mir auch wenig Hoffnungen, dass wir jemals Eric in pinkfarbenen Lycra-Klamotten auf einer Orgie auftauchen sehen werden.
Je länger die Serie lief, desto weniger konnte ich in der Serien-Sookie die Buch-Sookie wiedererkennen. Die Sookie aus den Büchern ist zu Beginn zwar auch naiv, aber sie ist vor allem ausgeglichener, toleranter und weniger ich-bezogen. Serien-Sookie ging mir mit ihrer Egozentrik und ihrem Selbstmitleid mit der Zeit gehörig auf die Nerven. Ihre Reaktion auf Sams Geheimnis war die Krönung.
Bei Bill hatte ich den Eindruck, dass er als der einzig noble Vampir dargestellt wird. Dabei kann der Bill aus den Büchern genau so manipulativ wie seine Artgenossen sein. Auch er ist davon überzeugt, dass Vampire den Menschen überlegen sind und verfällt bei der Jagd auf Angreifer durchaus in einen Blutrausch. Da ich nicht gerade ein Bill-Fan bin, bin ich gespannt, wie die Bill-Sookie-Beziehung weiter geht. Ich habe ehrlich gesagt keine Lust darauf, dass Bill möglicherweise als tragischer Held dargestellt wird. Oder wir bekommen ja ein absolut anderes Ende als in den Büchern. Das wäre für mich der Supergau.
Bei Sam bin ich zwiegespalten. Optisch macht er einiges her und peppt so die Vorstellung, die ich von ihm beim Lesen hatte, auf. Allerdings wirkte er in der Serie mental ziemlich unausgeglichen und unangenehm besitzergreifend.
Über Eric kann ich noch nicht viel sagen. Auch im ersten Buch hat er nur eine kleinere Rolle. Aber so langsam beschleicht mich das ungute Gefühl, dass wir nicht den Eric zu sehen bekommen werden, den viele Leser lieben.



ich habe ja irgendwann aufgehørt, zu schauen. mir fehlt leider die Zeit. weiss gar nicht, ob ich jetzt die fehlenden episoden noch nachhole *gruebel*
ich denke, nicht-buchkennern macht die serie dennoch spaß (sie ist wohl ziemlich erfolgreich) – schließlich kennen sie die unterschiede einfach nicht
ich habe einfach zu klare vorstellungen von den figuren
Ich habe die erste Staffel inzwischen gesehen – kenne allerdings die Bücher nicht. Interessant, was für Vergleiche Du ziehst. Die Serien-Sookie mag ich auch überhaupt nicht!
Tara gefällt mir sehr, interessant, dass dieses Voodoo-Ding nicht im Buch drin ist.
Buch ist jedenfalls bestellt, mal sehen, ob ich mich dann – nur anders herum – auch ärgern werde *g*
Hihi, als ich den Kommentar zur ersten Staffel geschrieben habe, war ich ziemlich sauer.
In der zweiten Staffel wird Sookie zum Glück etwas erträglicher.
Ich bin gespannt, wie dir die Bücher gefallen.