Wer sich Ashutosh Gowarikers neuestes Werk, das Historienepos Jodhaa Akbar, im Kino anschauen möchte, braucht gutes Sitzfleisch, da eine Lauflänge von 213 Minuten selbst für einen Bollywoodfilm nicht von schlechten Eltern ist.
Dass die Zeit dennoch wie im Fluge vergangen sei, möchte ich zwar nicht behaupten, aber dennoch kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Natürlich ist dabei eine wichtige Voraussetzung, dass der Zuschauer grundsätzlich Interesse an einem Historienfilm hat. Ansonsten wäre die Zeit sicherlich von vorn herein verschwendet.
Jodhaa Akbar erzählt die Geschichte des muslimische Großmoguls Jalaluddin Mohammad Akbar (Hrithik Roshan), der im 16. Jahrhundert Indien regiert. Jalaluddin geht mit der die hinduistischen Prinzessin Jodhaa (Aishwarya Rai) eine Zweckehe ein, doch die beiden verlieben sich bald ineinander.
Während bei den Schlachten, die übrigens überraschend blutig ausfielen (Elefanten zerquetschen diverse Körperteile, etc.), auf historische Genauigkeit geachtet wurde, ist jedem Zuschauer klar, dass die Liebesgeschichte der Phantasie des Drehbuchautors entsprungen ist. Wie glaubwürdig ist es schließlich, dass Jodhaa die einzige Frau des Großmoguls ist und der Harem ansonsten unbewohnt ist? Und wer glaubt, dass Jodhaa tatsächlich so selbstbewusst und ansatzweise gleichberechtigt auftreten konnte? Ein gewisser Realitätssinn – oder soll ich besser sagen Zynismus? – hatte mir das absolute Vergnügen an der Liebesgeschichte geraubt, da sich ab und an in meinem Hinterkopf der Gedanke einschlich, dass Jalaluddin Jodhaas Distanziertheit so locker hinnehmen kann, da sicherlich einige andere Damen zur Verfügung stehen. Aber dieser Gedanke wurde von mir hartnäckig bekämpft.
Die Liebesgeschichte und die Darstellung der Schlachten und Kämpfe zählen zu den Pluspunkten des Films. Jalaluddins politische Entwicklung war mir zu vereinfacht und blauäugig dargestellt. Er marschiert einmal inkognito über einen Markt, bekommt dort mit, dass die Hindus sich über die Pilgersteuer beschweren, schafft diese ab und wird fortan vom gesamten Volk geliebt. Will man Wikipedia glauben, dann hat Jalaluddin u.a. die Witwenverbrennung und die Kinderehe verboten. Diese Themen hätte ich interessant gefunden, auch wenn ich nachvollziehen kann, warum Ashutosh Gowariker so betont, wie wichtig es ist, dass verschiedene Religionen friedlich nebeneinander- und miteinander leben.
Ohne dem zu viel Bedeutung beizumessen, möchte ich noch einen Punkt erwähnen, der mich etwas irritiert hatte, da ich bisher den Eindruck hatte, dass Gowariker es eigentlich nicht nötig hat, zu entsprechenden Stilmitteln zu greifen. Kommt es zu besonders dramatischen Momenten, zoomt die Kamera auf Hrithik Roshans Gesicht, dieser bläht seine Nüstern und im Hintergrund ertönt ein unheilverkündendes Donnern.
Dass Hrithik Roshan schauspielern kann, dürfte unstreitbar sein. Dazu ist er noch ein Augenschmaus, was mehrfach bewusst in Szene gesetzt wird. Wenn Jalaluddin Schwertkampf trainiert, dann macht es dies zur Freude von Jodhaa und den Zuschauerinnen mit nacktem Oberkörper. Die Kamera lässt sich viel Zeit damit, von seinen Schultern über seinen Rücken bis hin zu seinem ansehnlichen Hintern zu wandern.
Aishwarya Rai, die mich bisher in fast allen Filmen mehr oder weniger genervt hatte, fand ich hier angenehm unaufdringlich und weniger püppchenhaft.


