Drama von John Alexander, Großbritannien 2007, 174 min (3 Episoden), mit David Morrissey, Janet McTeer, Hattie Morahan u.a.
Nach dem Tod ihres Vaters stehen die Dashwood-Schwestern Elinor (Hattie Morahan), Marianne (Charity Wakefield), Margaret (Lucy Boynton) und ihre Mutter (Janet McTeer) mittellos da. Während sich die ruhige und praktische Elinor Gefühle für den zurückhaltenden Edward Ferrars (Dan Stevens) entwickelt, verliebt sich die stürmische Marianne Hals über Kopf in John Willoughby (Dominic Cooper).
„Gefühl und Verstand“ zählt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsromanen von Jane Austen. Ich kann noch nicht einmal genau sagen, woran das liegt, aber ein Mitgrund mag die Beziehung zwischen Marianne und Colonel Brandon sein. Bei Colonel Brandon muss ich immer an gesundheitsfördernde Flanellwesten denken.
Andrew Davies, der bereits für das Drehbuch der 95er „Pride and Prejudice“-Verfilmung verantwortlich war, ist auch hier wieder am Werk. Ihm ist ein ansehnliches Stück Arbeit gelungen, auch wenn der Charme der „Stolz und Vorurteil“-Verfilmung nicht ganz erreicht wird.
Dank der Lauflänge hält sich die Verfilmung ziemlich genau an der Vorlage. Kürzungen sind mir kaum aufgefallen (aber ich habe das Buch auch nur zweimal gelesen). Selbst das Duell zwischen Colonel Brandon und Willoughby kommt vor.
Scheinbar in typischer Davies-Manier beginnt der Dreiteiler mit einer harmlosen Liebesszene. Mich hat sie weniger gestört, aber wirklich zum Verständnis der Geschichte trägt sie nicht bei. Der ahnungslose Zuschauer weiß nicht, um wen es geht, erfährt es im Laufe des Films aber früh genug. Der Buchkenner wird sofort ahnen, dass es Willoughby und Brandons Mündel sind. Allerdings fehlten mir die wunderbar einseitigen Gespräche zwischen Mr und Mrs Palmer.
Der Großteil der Rollen ist gut besetzt. Besonders überzeugend fand ich Claire Skinner als Fanny Dashwood und Janet McTeer als Mrs Dashwood. Die Dashwood-Schwestern entsprachen genau meinen Vorstellungen. Elinor ruhig und introvertiert, Marianne extrovertiert und voller romantischer Vorstellungen.
Beim Casting des Edward Ferrars wurde wohl besonderes Augenmerk auf seinen potentiellen Anschmachtfaktor durch die weiblichen Zuschauer gelegt. Der Mann kann natürlich auch schauspielern, aber für die Rolle ist er meiner Meinung nach zu sehr Augenschmaus. Meiner Vorstellung eines schüchternen, erst auf dem zweiten Blick ansehlichen Edwards entsprach er nicht.
Nicht gefallen hat mir David Morrissey als Colonel Brandon. Wie Colin Firth als Mr Darcy wirft auch er seiner Angebeteten brütende, grüblerische Blicke zu, aber irgendwie fehlt der Charme, der Funke mochte bei mir nicht überspringen. Ich habe immer noch an gesundheitsfördernde Flanellwesten denken müssen.
Bilder zur ersten Episode gibt es hier.



Hallo netfred,
vor langer Zeit habe ich mal Figaros Hochzeit gesehen mit einem kleinen Figaro so um die sechzig Jhre alt und einem gutaussehenden, wenn auch fiesen Grafen Almaviva, Anfang dreissig.
Colonel, gutaussehend und sportlich, einen offenen ehrlichen Blick hat.
Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum sich Susanna in der Oper sich für diesen tatterigen Figaro entscheidet und nicht lieber den Grafen Almaviva nimmt.
So ähnlich ging es mir mit dieser Sense-and Senisibility-Verfilmung: Der romantische Liebhaber Willoughby sieht zerknautscht, düster und fies aus, während der alternde (Flanellwesten tragende
Welche Marianne würde schon diesem Willoughby nachschmachten wollen bei der Alternative???
Gruß, A.
Da sagst du was. Es gibt da eine alte König Drosselbart-Verfilmung, die ich mal vor Jahren gesehen habe und großartig fand. Irgendwann bin ich in der Fernsehzeitung auf eine König Drosselbart-Ankündigung gestoßen und habe mich riesig gefreut. Leider musste ich dann feststellen, dass es die falsche Verfilmung war – mit Manfred Krug in der Hauptrolle! Wer bitte schön will Manfred Krug als Märchenprinzen sehen?