Manchmal wundere ich mich, was für ein literarischer Mist veröffentlicht und sogar übersetzt wird. “Eine Lady in Bath” von Amanda Elyot gehört ganz sicher dazu. Selten habe ich so einen langweiligen und unsinnigen Quark gelesen.
Wenn ich vorher gewußt hätte, dass es sich um das Machwerk “By a Lady” handelt, wäre ich vielleicht etwas vorsichtiger gewesen.
Zum Inhalt: Durch einen Zufall landet die amerikanische Schauspielerin Cassandra Welles in Bath des Jahres 1801. Erst wird sie wegen Diebstahls vor Gericht gestellt, dann arbeitet sie als Gesellschafterin der Lady Wickham. Als die exzentrische Lady Dalrymple sie als ihre verloren geglaubte Nichte ausgibt, wendet sich ihr Schicksal. Cassandra verliebt sich in Lord Darlington, der sie in die Geheimnisse des Kamasutra einführt. Doch bevor es zur Hochzeit kommt, verlobt Lord Darlington sich mit einer reichen Erbin. Cassandra wird in ein Irrenhaus gesteckt. Zwischendurch sieht sie noch ein Bordell von Innen. Ach, außerdem lernt sie noch nebenbei Jane Austen kennen und tauscht mit ihr geistreiche Dialoge aus.
Nicht nur, dass die Handlung absolut lächerlich ist (ich hatte ständig den Eindruck, dass der Autorin noch kurzfristig was eingefallen, was sie schnell in das Buch einbauen musste), der Schreibstil ist einfach grausam. Die Übersetzerin hat mein herzlichstes Beileid. Mit der Holzhammermethode will die Autorin den Lesern vorführen, was für ein tolles Wissen von der damaligen Zeit hat.
Auch die Hauptperson Cassandra, die bereits ihr ganzes Leben gespürt hat, dass sie nicht in die moderne Zeit passt, soll angeblich eine Expertin der Zeit Jane Austens sein. Dann frage ich mich allerdings, warum dieses Frau sich ständig so dämlich benimmt? Seit wann ist es üblich, dass man sich auf einem Ball mit Wasser übergießt, sich den Verlobten einer anderen schnappt und zum Entsetzen der Gäste den noch unbekannten Walzer beibringt? Nebenbei posaunt sie noch raus, dass sie schwanger sei.
Sicherlich kann man sich fragen, warum ich das Buch nicht einfach in die Ecke geschleudert habe. Ich kann es mir nur damit erklären, dass schlechte Bücher eine makabere Faszination auf mich ausüben.
Jane Austen dürfte in ihrem Grab routieren, wenn sie wüßte, wie hier ihre Person missbraucht wird. Ab und an hüpft sie mal kurz durch das Bildfeld um geistreiche Kommentare (natürlich Zitate aus ihren späteren Büchern) zum Besten zu geben. Außerdem tauchen einige Namensgeber wie Lady Wickham, Lady Darymple, Mr. Collins oder Mrs Fairfax auf, die allerdings nichts mit Jane Austens Romanfiguren zu tun haben.
Finger weg!

