Drama von Adrian Shergold, Großbritannien 2007, 92 min, mit Sally Hawkins, Rupert Penry-Jones, Anthony Head u.a.
“Persuasion” bildete den Abschluss der Jane Austen-Season auf ITV und sollte der Höhepunkt dieser Reihe sein.
Mehr als acht Jahre ist es her, dass die damals neunzehnjährige Anne Elliot (Sally Hawkins) auf Drängen ihrer Familie und Freunde die Verlobung mit dem damals mittellosen Seemann Frederick Wentworth (Rupert Penry-Jones) gelöst hat. Doch Anne bedauert seitdem die Entscheidung. Als beide schließlich wieder aufeinander treffen, ist Wentworth mittlerweile ein Kapitiän, der es zu Wohlstand gebracht hat.
“Persuasion” (die deutschen Titel lauten “Anne Elliot”, “Überredung” oder “Verführung”) ist für mich Jane Austens reifstes Werk und kommt in meiner Favoritenliste gleich nach “Stolz und Vorurteil”.
Da ich bisher nur die 1995er BBC-Verfilmung mit Amanda Root und Ciarán Hinds kannte, die allerdings nicht restlos begeistert hat, werde ich zwangsläufig beide Adaptionen häufiger miteinander vergleichen.
Während Persuasion 1995 manchmal etwas gemächlich daher kam, hat die 2007er Version ein recht flottes Tempo drauf. Leider werden relativ viele Änderungen vorgenommen, die BBC-Version war werksgetreuer. Zwar tauchen viele Dialoge aus dem Buch auf, wurden jedoch häufig in anderen Szenen verlegt. Bedauerlich fand ich, dass das Gespräch zwischen Anne und Harville über die Beständigkeit von Frauen und Männern nach Lyme verlegt und nicht von Wentworth belauscht wurde. Dieses ist eine meiner Lieblingsszenen aus dem Buch.
Sally Hawkins spielt großartig, sie trägt den Film praktisch allein. Ich ziehe sie eindeutig Amanda Root vor. Rupert Penry-Jones ist – für einen blonden Mann - ein Augenschmaus. Schade, dass er nicht mehr Text hatte. Positiv anzumerken ist, dass die Figuren Elizabeth Elliot (auch wenn sie zu alt ist) und Mrs Smith nicht so überzeichnete Karrikaturen wie in der Vorgängerversion sind. Dafür ist die Darstellerin der Mary Musgrove einfach nur fürchterlich. Sie spielt so, dass der Verdacht aufkommen könnte, in der Familie Elliot gebe es Fälle von Wahnsinn. Sie stammelt und wechselt mitten im Satz die Tonlage. Hinzu kommt ein watschelnder Gang und ein leicht irres Lachen.
Was sich die Scriptwriter beim Ende gedacht haben, ist mir ein Rätsel. Anne rennt auf der Suche nach Wentworth minutenlang quer durch Bath. Der folgende Kuss ist einer der merkwürdigsten, den ich im TV gesehen habe. Und bei der Abschlussszene besteht die Gefahr eines Zuckerschocks.
Trotz der kleinen Enttäuschung, da ich ziemlich hohe Erwartungen in diese Verfilmung gesetzt hatte, rangiert diese Verfilmung leicht vor der BBC-Fassung. Ideal wäre eine Version mit dem Script von 1995 und den Darstellern und den Schauplätzen von 2007.

Anne und Wentworth bei ihrem ersten Wiedersehen

Die Crofts Sir Walter Elliot (manch einem auch aus “Buffy” bekannt)

In Lyme Mr. Elliot

